7. Sudan

 

Bisher haben wir ja 7 Länder in 4 Einträgen abgefrühstückt, aber dem Sudan müssen wir einen eigenen Eintrag widmen. Was für ein geiles Land.

Je weiter wir nach Norden gekommen sind, desto größer wurde der Anteil an Muslimen in der Bevölkerung, aber selbst in Äthiopien lag der bei grade mal 50%. In dieser Hinsicht war der Sudan noch mal ein richtiger Kulturschock. Im bestmöglichen Sinne. Die Menschen leben den Islam, der bei uns oftmals nur als Religion von Terror und Chauvinismus dargestellt  wird, so wie er gemeint ist. Kümmern sich mit Hingabe um ihre Armen, betrinken sich nicht, und leben, wie es scheint, absolut im Einklang mit sich und ihrer Umwelt. Aber vor allem herrscht eine Gastfreundschaft Fremden gegenüber, die wir uns nie hätten erträumen können. Das Einzige, was echt nervt, ist der Muezzin, der  morgens um 4.56 anfängt zu jodeln.

 

 

 

 

Landschaftlich lässt sich der Sudan mit einem Pancake vergleichen. Absolut flach, keine Hügel, kein garnix.

 

 

 

Nur Sand und – spätestens hier fängt die Pancake-Metapher an zu hinken - massenhaft Kadaver von Kamelen, Eseln und Kühen am Straßenrand. Dass es keine Berge gibt, ist auf der einen Seite ganz gut, weil man so keine Hügel überwinden muss, auf der anderen Seite aber echt beschissen, weil der Wind auch keine Hügel überwinden muss - und der Wind kommt naklar immer von Norden.

Zum Fahrradfahren also die Hölle, gerade weil wir für die Sudandurchquerung aus Visagründen nur 12 Tage Zeit hatten. Morgens sind wir mit den ersten Sonnenstrahlen aufgestanden, den ganzen Tag mit einer Stunde Pause gefahren und sind abends oft bei Dunkelheit angekommen. 12/13 Stunden Knechterei für 120 Kilometer, voll deprimierend. Aber sobald man entnervt vom Fahrrad absteigt, fühlt man sich wie im sandigen Paradies.

 

 

 

Gegessen wird Fladenbrot mit Ful, einer Bohnenmatsche, angeknuspertem Fleisch und Salat und das natürlich mit den Händen. Wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat,  und sich vielleicht sogar die Hände wäscht, ist mit den Händen zu essen eh der einzig wahre Lifestyle, weil man das Essen so ganz anders wahrnimmt. Wir haben in der Wüste mit einer Gruppe Goldgräber Wasserpfeife geraucht, uns am Nil gegenseitig mit Datteln gefüttert, und geschlafen haben wir in 10 von 13 Nächten unter freiem Himmel. Mal bei einer Polizeistation, mal auf dem Dach eines Hotels und oft einfach in der Wüste zwischen Dünen, umgeben von nichts als Sand und dem unvermeidlichen Wind, der dafür gesorgt hat, dass wir gefroren haben, wie die Schweine. War aber egal. Dass uns bei den zahllosen Sternschnuppen kein besserer Wunsch eingefallen ist, als der, dass der Muezzin das Morgengebet verpennt, ist bezeichnend dafür, wie glücklich und frei wir uns unter dem afrikanischen Sternenhimmel gefühlt haben.

 

 

Einmal hatten wir Glück und sind, als die Sonne gerade untergegangen war, an einer Lehmhütte vorbeigefahren, die einsam in der Wüste stand, bei der wir schlafen konnten. Das muss man sich mal vorstellen. Wir kommen in der Dunkelheit angestolpert, sehen aus wie Müll und verströmen einen Geruch nach Pumakäfig und werden sofort zum Übernachten und Abendessen eingeladen. In Deutschland wären wir nur mit irritierter Ablehnung weggeschickt und in den USA vorsichtshalber erschossen worden, in Tansania hätte man uns mit unterwürfiger Freundlichkeit empfangen und am nächsten Morgen 50 Dollar verlangt und in Äthiopien hätten wir wahrscheinlich einen Stein an die Birne bekommen. Aber im Sudan kommt uns Mustafa (wir haben seinen echten Namen leider vergessen, aber bei Mustafa liegt die Trefferwahrscheinlichkeit bei 80 Prozent) strahlend entgegen, bringt uns zwei Pritschen und zwei Tee und fragt, ob wir schon zu Abend gegessen haben. Wahnsinn. 

 

 

 

Wir können also nur jedem empfehlen, sich nicht von Schreckensmeldungen in den Medien abhalten zu lassen. Wenn man sich damit abfindet, dass jeder Stinker mit Kanone rumrennt, man beim Wildcampen bisschen wegen der Minen aufpasst und nicht Fahrrad fährt, ist der Sudan wirklich klassenfahrttauglich.

 

Wir haben den Sudan jetzt Richtung Ägypten verlassen, wo wir uns noch ein bisschen Kultur in Form von alten Steinen reinpfeifen, und dann geht’s weiter nach Kairo.