Das Leben ist nicht nur Pommes und Disko (Vioolsdrift - Windhoek)

Aber das Leben is nich nur Pommes und Disko.

An der Grenze fingen für uns jetzt Dirt Roads an, Richtung Westen und Richtung Wüste. Dass der Tacho 48 Grad angezeigt hat, und es noch heißer werden sollte, kam uns vor wie ein schlechter Witz.

Wir sind dem Grenzfluss Orange River gefolgt bis nach Aussenkehr, einer Wüstenstadt aus Strohhütten, in der wir noch einmal unser Wasser aufgefüllt haben.

20 Liter, sollte chillen, dachten wir. Der Orange River ist leider einer von drei Flüssen Namibias, die überhaupt das ganze Jahr über Wasser führen. Alle anderen auf Karten eingezeichneten oder ausgeschilderten Flüsse sind mittlerweile nur noch Sandbänke. Die Straßen haben uns jetzt das Doppelte an Kraft gekostet, weil die Lehmpisten mit einer Sandschicht bedeckt waren, in der die Räder einfach entweder durchdgedreht sind oder stark gebremst wurden.

Um bis zu den unerträglichen Mittagsstunden schon mal ein paar Kilometer geschafft zu haben, sind wir kurz vor Sonnenaufgang aufgestanden, über dem Zelt lag noch die Milchstraße, und die Hügel am Horizont haben sich langsam blutrot gefärbt, als wir die ersten Kilometer morgens gefahren sind. Ein Freiheitsgefühl sondergleichen.

Wir waren darauf eingestellt, aber die kommenden Tage hatten nichts mehr mit Spaß zu tun.

 

Wikipedia: „Die Namib ist einer der unwirtlichsten Orte des Planeten. Bei Tagestemperaturen deutlich über 50 °C, Nachttemperaturen von unter 0 °C, jahrzehntelang andauernden Trockenperioden sowie häufigen Sandstürmen sind Pflanzen und Tiere extremen Lebensbedingungen ausgesetzt.“

 

Das gilt leider auch für Fahrradfahrer.

 

Die Hitze war nicht auszuhalten, so was haben wir noch nie erlebt. Die Lippen haben vor Trockenheit Risse bekommen, die Zunge klebte am Gaumen fest, alles was man an Wasser reingeschüttet hat lief einfach durch die Haut wieder raus, und dazu mussten wir damit ja auch noch sparsam umgehen. Die Luft über der Straße flimmerte nur, weit und breit kein Baum, mittags haben wir das Außenzelt über die beiden Fahrräder gespannt, und einfach bei 50 Grad darunter vor uns hin vegetiert, da hat man auch keinen Bock was zu lesen oder so, das war einfach ein Abwarten bis es vorbei ist. Langsam wächst dann natürlich auch der Hunger. Wir hatten nur Konserven dabei, weil man dafür kein Wasser zum Kochen braucht, hauptsächlich Corned Beef. Sieht aus wie Katzenfutter, schmeckt aber nicht ganz so geil. Abgesehen von dieser kulinarischen Talfahrt haben wir auch nur das Nötigste davon gegessen, um mit dem salzigen Zeug nicht noch den Dauerdurst anzustacheln.

 

 

Nach zwei Stunden Trancezustand unter der Plane wurden wir ein bisschen wachgerüttelt als wir von Weitem einen großen Van hörten. Die Situation mussten wir nutzen. Schweißgebadet standen wir an der Straße als der Reisebus mit Aufschrift „desert adventure tours“ auf uns zugerollt kam. Eine ganze Reisegruppe, die bestimmt genug Wasser für eine Elefantenherde dabei hatte. Für die „desert adventure tours Pappnasen“ waren wir wohl das größte adventure, weil die einzige Reaktion auf unser hilfesuchendes Winken ein strahlend fasziniertes Zurückwinken war, dann hat jeder aus dem Fenster noch ein Foto von uns geschossen, bis uns der Bus wie zwei panierte Hühnchen in einer Staubwolke hat stehen lassen.

Als wir am Fish River Canyon angekrochen kamen, haben wir uns erstmal unter den Wasserhahn gehängt und dann, weil wir für den Nachmittag noch nichts geplant hatten, haben wir uns die Zeit damit vertrieben, den Geldbeutel mit 150 Euro und Kreditkarten, den wir auf der Strecke verloren hatten, zu suchen. Hat gepasst. Glückskinder.

 

Die Piste hat uns jetzt weiter Richtung Nordosten, also Hochland, geführt. Es wurde wieder etwas kühler, und wir hatten auch ein paar bewölkte Tage.

 

 

50 Kilometer vor Rehoboth haben wir dann leider noch mal richtig gefailed.

Folgende Situtation:

Wir sind 130 Kilometer gefahren. Müssen noch 30. Haben einen Platten. Weil der Schlauch quasi sowieso schon nur noch aus Flicken besteht, nehmen wir einen neuen. Benny pumpt den Schlauch auf. Schlauch platzt. Benny taub. Nächster Schlauch. Felix pumpt den Schlauch auf. Schlauch platzt. Felix taub.

Für die, die uns persönlich kennen, liegt jetzt die Vermutung nahe, dass wir einfach zu dumm sind um ein Fahrrad aufzupumpen. Aber in dem Fall sind wirklich beide Schläuche bei 3,5 Bar geplatzt. Normalerweise klatschen wir immer 5 Bar rein. Die Schläuche, die wir ertauscht hatten, waren einfach Müll.

Die Schläuche waren übrigens deswegen ertauscht, weil wir aus München zwar drei Ersatzschläuche mitgenommen hatten, die aber, da Autoreifenventil, allesamt nicht durch die Rahmen unserer Laufräder gepasst haben. Und die haben wir dann gegen die jetzt geplatzten Schläuche umgetauscht. Indirekt also schon Dummheit.

Mittels Zeichensprache haben wir uns dann drauf verständigt den alten Schlauch noch mal zu flicken. Hat dann auch alles wunderbar geklappt. Bis wir das Rad einsetzen wollten und die Achse gebrochen ist. Ohne Achse ist nicht gut Fahrradfahren.

Deswegen ist Felix in die Stadt getrampt, hat in einem Autoladen die einzige Achse geholt, die es gab. Und ist mit einem LKW Fahrer, der seit 15 Stunden am Steuer saß, und gegen die Müdigkeit auf dem Lenkrad hängend Bubble Gums auf dem Handy gezockt hat, zurückgetrampt. Die fahren echt wie die Inder. Die Achse hat dann naklar nicht gepasst. Also haben wir eine Nacht an der Straße unter der Brücke gepennt. Hört sich jetzt unchillig an, war aber erstaunlich cozy, weil wir müde genug waren, dass die Viecher die über uns gekrabbelt sind, nicht so genervt haben, und sie sich sicher vor uns mehr geekelt haben als umgekehrt. Außerdem ist unter Brücken pennen generell unterbewertet.

 

 

Am nächsten Morgen ist Benny dann mit dem Bike in die Stadt getrampt, hat die neue Achse provisorisch einbauen lassen und ist dann wieder zurückgetrampt. Bisschen albern. Aber wir wollen die Strecke ja wirklich ganz gefahren sein, ohne zu trampen.

Durch die verlorene Zeit sind wir nachts unter Sternenhimmel noch gefahren, was wegen der wahnsinnigen LKW Fahrer aber spaßig war wie Topfschlagen im Minenfeld. Wir haben also noch einmal wild gecampt und sind am nächsten Morgen um 10 in Windhoek bei Andrea angekommen, die uns mit guter Laune und hammermäßiger Gastfreundschaft empfangen hat.

 

 

Generell hatten wir diesmal ungewöhnlich viel Pech. Uns ist eine Zeltstange gebrochen, eine Isomatte hat ein Loch bekommen, uns ist schon nach 700 Kilometern eine Kette gerissen, das Achsendilemma und wir hatten fast jeden Tag einen Platten.

 

Ja ne wobei. Eigentlich nicht. Wir sind einfach vom Glück zu sehr verwöhnt. Auch diesmal hatten wir wieder ultra Glück, die Stimmung war super und selbst 10 gebrochene Achsen hätten uns nicht so abgefuckt wie die Wahl von Donald Trump, diesem wannabe Hitler und missglücktem Experiment eines Hundefriseurs. Its a desaster.

Wir haben jetzt übrigens ein neues Spendenziel. Ärzte ohne Grenzen ist kalter Kaffee. Wir sammeln jetzt Geld, weil wir eine Mauer um Donald Trump bauen wollen. Das sollte für alle klar gehen. Und niemand baut bessere Mauern als wir. Believe me.

 

Wir haben uns in diesem Artikel ziemlich viel beschwert.

Aber allein, dass wir so wenig dazu kommen Blog zu schreiben, zeigt, wie ausgefüllt und erfüllend unsere Tage sind, die meiste Zeit schmecken wir natürlich den Sattel, aber in den Pausen haben wir die denkbar herzlichsten Begegnungen mit Menschen. Wie zum Beispiel mit Cornelius Hermanus, der uns in Clanwilliam zuerst selbst nach Geld gefragt hat, uns aber, als wir ihm von unserer Idee und dem Spendenprojekt erzählt haben, einen 10 Rand gegeben hat, damit wir in seinem Namen spenden.

 

 

Oder die Oma, auf deren Farm wir angekrochen kamen und die uns erstmal einen Teller belegter Brote mit Kaffee gemacht hat, während wir ihr den Teppich vollgetropft haben.

Natürlich, die letzten drei Wochen waren eine ziemliche Schinderei, aber schon jetzt sind wir um unzählige Erfahrungen reicher.

Und jetzt wo wir bei Andrea mal zwei Nächte in einem richtigen Bett gepennt haben, der Bauch voll mit Zebracurry ist, wir ein Glas Bier in der Hand und vier Prostituierte auf dem Schoß haben, ist unser Leben schon wieder ein einziges Fest.

Und wir freuen uns megamäßig über jeden gespendeten Euro!